Frühlingsroller – Drehen in Thailand und auf den Philippinen

Viele Länder sind schwieriges Terrain für Menschen die ihre Zigaretten lieber selbst drehen anstatt zu fertigen  Sargnägeln zu greifen. In Mittelamerika hatte ich selbst bereits einige Schwierigkeiten als Selbstdreher. Tabak und Papers waren kaum zu bekommen. Die einzigen Möglichkeiten in den Genuß selbstgedrehter Zigaretten zu kommen, waren einen entsprechenden Vorrat an Utensilien aus Europa mitzubringen oder mit anderen Reisenden Tauschhandel zu betreiben. Aufgrund der Begehrtheit von Drehtabak und Papers gestaltete sich letzteres jedoch nicht einfach. Außerdem kam ein weiteres Problem dazu: Die Menschen dort kannten Drehtabak nicht. Jedesmal, wenn ich mir nach einem guten Essen eine Zigarette drehen wollte, dachten Kellner oder Kellnerin dass es sich um einen Joint handele. Hitzige Diskussionen und Erklärungen in meinem zwei Wochen frischem Reisespanisch waren die Folge. Oft bestanden sie darauf den Tabakbeutel genauestens zu inspizieren, bevor sie mich meinem Rauchvergnügen nachgehen ließen. Dieses Problem hatte ich weder auf den Philippinen noch in Thailand. Die Knappheit an Tabak und Papers war aber nach wie vor gegeben. Glücklicherweise habe ich in beiden Ländern zufriedenstellende Ausweichmöglichkeiten gefunden.

Zigarettillos in Bohol

Zunächst zur Situation auf den Philippinen (Ich berichte aus der Region Visayas, in Manila mag es einfacher sein Tabak zu bekommen, allerdings möchte ich dort nicht meinen Urlaub verbringen…): Tabak und Papers gibt es nicht. Außnahme: Große Malls in Städten wie Cebu haben manchmal importierten Tabak. Ich habe in Cebu einen Drum Tabak und Rizzla Papers erstehen können. Was aber tun wenn man auf einer wunderschönen Insel wie Bohol ist und plötzlich das letzte Paper weg ist? Auf keinen Fall die lokalen  Händler nach Zigarettenpapier fragen. Warum? Nach einigen Versuchen, unterstützt von viel Zeichensprache, bekam ich ein DIN A5 Blatt Papier von einem zufrieden dreinblickendem jungen Händler gebracht. Und so ging es andernorts weiter. Die Leute verstanden es beim Besten Willen nicht, aber man kann ihne dafür keinen Vorwurf machen. Sie kannten die ganze Drehgeschichte einfach nicht und versuchten mir eben so gut wie es ging weiterzuhelfen.

Einige Tage später befinde ich mich nach achtstündiger Motorradfahrt über Schlammpisten und vorbei an Reisfeldern irgendwo im Inneren von Bohol. Ein Dorf von tausend Einwohnern, kleine Holz- und Blechhütten, Hühner und Hunde auf den Straßen. Es ist früher Abend, der Geruch von gegrillten Hühnerinnereien liegt in der Luft und aus einigen der Hütten ist Karaokemusik zu hören. Nach den erfolglosen Versuchen der letzten Tage erscheint es mir absurd, gerade hier Papers zu bekommen. Trotzdem frage ich einige Händlerinnen in ihren kleinen Lädchen danach. Wieder Zeichensprache, wieder ratlose Blicke. Bis mich eine kleine Marktfrau mittleren Alters zu verstehen scheint und in Richtung der kleineren Gassen läuft. Ich folge ihr und finde mich in einem niedrigen Bretterverschlag wieder, den man als eine Art Mischung aus Wohnzimmer der Familie und Gemischtwarenladen verstehen kann. Die dort ansässige Händlerin erfährt von meiner Marktfrau, dass ich wohl irgend etwas suche um Tabak darin einzurollen.  Kurzerhand zieht sie eine große Mappe unter der Theke hervor, in der sich ordentlich geschichtet ganze Tabakblätter von gut 30 cm Länge befinden. Sie reicht mir eines der Blätter. Ich rieche daran: würzig. Ich fühle die Konsistenz: weich und feucht wie Zigarren aus einem Humidor. Die Händlerin verlangt mit einem schelmischen Lächeln 30 Peso für ein Blatt. Vermutlich der fünffache Preis vom Üblichen, aber das ist mir jetzt egal. Ich lächle zurück und sehe in ihre wachen Augen. Wir beide wissen, dass sie gerade ein sehr gutes Geschäft macht.  Sie faltet und verpackt das Tabakblatt in eine Plastiktüte und wendet sich wieder dem rauschenden kleinen Fernseher in der Ecke zu.

Tabakblatt der philippinischen Händlerin. Ein paar Blättchen können noch rausgeschnitten werden.

Nach dem Essen mit meinen Reisegefährten, zurück auf der Terrasse unserer gemütlichen Hütte im Dschungel. Ich schneide das saftig fermentierte Tabakblatt mit meinem Taschenmesser und der leeren Rizzla Packung als Schablone in drehfertige Blättchen. Leider ist weder Honig noch irgendein brauchbarer Pflanzensaft in der Nähe, um die gerollte Zigarette zuzukleben. Ich sehe mich um. Neben mir steht eine noch recht volle Flasche Tanduay Rum auf der Holzbank. Überall verfügbar, ein bis zwei Euro für eine ganze Flasche. Nichts für den Connaisseur, aber gut genug für einen gemütlichen Abend mit Freunden. Und spontan ensteht das Rezept: Ein zugeschnittenes Stück Tabakblättchen mit ein paar Tropfen Tanduay Rum benetzen so dass es schön nass ist. Überschüssigen Rum abtropfen lassen. Den Drehtabak rein und vorsichtig zudrehen, da das Blatt leicht reißt.  Der Rum erweist sich als optimaler Klebstoff. Da die fertige Zigarette noch zu nass ist, vorsichtig mit dem Feuerzeug trocknen. Und voila: Fertig ist der Zigarettillo. Der Rauch ist sehr stark und geht sofort in den Kopf, ist aber süßlich und sehr aromatisch. Aus einem ganzen Tabakblatt habe ich gut 20 Blättchen schneiden können. Hat man keinen Drehtabak mehr, lassen sich aus einem Tabakblatt auch Blättchen und feiner Fülltabak schneiden. Tanduay Rum und Tabakblätter: Drehen auf Filipino Art.

Same same but different

Kokosnusspalmblätter.

Zwei Wochen später finde ich mich auf Ko Samui in Thailand wieder. Aus Malaysia hatte ich noch einige Sampoena Nelkenzigaretten, aber die gingen nun zuneige. Glücklicherweise ist der Tourismus hier auf der Insel nicht nur Fluch sondern auch Segen: es gibt Drehtabak und Papers in den meisten Läden. Ich kaufe beides und bin froh, endlich keine fertigen Zigaretten mehr zu rauchen. Wenige  Tage später, mit freundlichen Thai an einer Strandbar:  es wird geraucht, getrunken und ich lerne einige einfache Sätze thailändisch. Mir fällt auf, dass die Thai zwar selbst drehen, aber weder normalen Tabak noch Papers verwenden. Anstatt Papers wie wir sie kennen, verwenden sie zugeschnittene Kokosnusspalmblätter ohne Klebestreifen. Der Tabak kommt in einfachen Plastiktütchen und sieht aus wie grob geschnittener Pfeifentabak. Die Leute nennen ihn schlicht „Thai-Tobacco“.

Immer schön festhalten!

Meine ersten Drehversuche mit den starren Kokosnusspalmblättern ohne Klebestreifen scheitern kläglich. Ich komme mir vor wie ein fünfzehnjähriger, der auf dem Schulsportplatz seine ersten Drehversuche unternimmt. Dan, der Barkeeper schenkt mir einen Beutel der Kokosnusspalmblätter und eine Hand voll Thai-Tobacco aus einem großen, in Zeitungspapier verpacktem Bündel. Er dreht vor meinen erstaunten Augen in einem Handgriff eine perfekte Zigarette und steckt sie sich an. Doch auch nach dem dritten Versuch gehen meine Zigaretten ständig auf und ich muss sie immer wieder anzünden. Der Geschmack ist jedoch hervorragend und viel milder und süßer als mit normalem Zigarettenpapier. Nach ein paar weiteren Übungsrunden erkenne ich die richtige Technik: Die Matte Seite des Kokosnusspalmblatts kommt nach innen, die glänzende nach außen. Man verteile den Tabak und Rolle das Blatt dann stark schräg ein (nicht gerade wie bei normalen Papers). Beim Rauchen fasst man die Zigarette fest am Mundstück und lässt den Griff nicht locker. Jetzt funktioniert es erstaunlich gut. Meine normalen Papers habe ich letzte Nacht verloren. Ich werde mir keine neuen kaufen. Andere Länder, andere Sitten. Eines ist sicher: Irgendwie wird überall auf der Welt geraucht.

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