Psilocybinhaltige Pilze – Magic Mushrooms

Magic Mushrooms - Psilocybe cubensis

Verbreitung und Gebrauch von psilocybinhaltigen Pilzen

Neben dem Fliegenpilz werden auch Pilze, deren Hauptwirkstoff Psilocybin ist, für rituelle Zwecke benutzt. Psilocybinhaltige Pilze, auch Magic Mushrooms genannt, gehören hauptsächlich zu den Gattungen der Psilocybe (Kahlköpfe) und Panaeolus (Düngerlinge). Weitere Pilzgattungen die Psilocybin enthalten können sind Conocybe, Copelandia, Galerina, Gymnopilos, Inocybe und Pluteus (2007:628). Psilocybinhaltige Pilze sind auf der ganzen Welt verbreitet. Sie sind besonders stark in Mexiko, an der Nordwestküste Nordamerikas, den Tropen (Bali, Thailand), und Europa verbreitet (2009:111). Allein schon von der Gattung Psilocybe sind mindestens 150 Arten bekannt (2007:677).

Zu den wohl bedeutendsten Arten der psilocybinhaltigen Pilze gehören der Psilocybe mexicana und der Psilocybe cubensis.

Psilocybe mexicana waren die Pilze, die Gordon Wasson als erster Nichtindianer von María Sabina zu essen bekam. Aus diesem Pilz gelang es Albert Hofmann das erste mal die Wirkstoffe Psilocybin und Psilocin zu synthetisieren (Hofmann 1980:10f.). Der Psilocybe mexicana kommt hauptsächlich in Mexiko und Guatemala vor. Er wächst in einer Höhe von 1000 bis 1800m in subtropischen Wäldern, und kann nur im Sommer geerntet werden. Er wächst in der Nähe von Amberbäumen, Eichen, Erlen und Platanen. Noch heute wird der Psilocybe mexicana in schamanischen Ritualen der Mazateken, Mixe, Zapoteken und Cuitlateca als Halluzinogen verwendet. Die Pilzzeremonien werden meist von Schamaninnen geführt und dienen divinatorischen Zwecken (2007:669). Die Pilze wurden schon im Alten Mesoamerika schamanisch genutzt (Tolteken, Azteken, Maya) (2010:118). Die Azteken nannten die psilocybinhaltigen Pilze, teonacátl, „Fleisch der Götter“ (2010:101). María Sabina berichtete dass sie die Pilze vor Gordon Wassons Besuch immer nur zu Heilungszwecken verwendet hat. Später in Scharen ankommende Touristen nahmen an den Pilzzeremonien nicht teil um geheilt zu werden, sondern um „Gott zu finden“ (Estrada 1980:106).

Psilocybe cubensis sind besonders leicht zu züchten und werden deswegen oft von Smartshops in leicht zu pflegenden „Growboxen“ angeboten.

Der Psilocybe cubensis gedeiht auf Kuhdung. Ursprünglich stammt er aus Afrika. Er ist überall in den Tropen verbreitet wo Viehzucht betrieben wird: Mexiko, Kuba, Guatemala, Kolumbien, Bolivien, Brasilien, Argentinien, Florida, Vietnam, Thailand, Kambodscha, Indonesien, Philippinen und Australien. Der Psilocybe cubensis wird jedoch nur in Mexiko für schamanische Rituale verwendet, dort wird er hongo de San Isidro, „Pilz des heiligen Isidro“, genannt. Die verbreitete Bezeichnung für den Psilocybe cubensis in der westlichen Welt ist „Magic Mushroom“ , in Deutschland „Zauberpilz“. Sie gelten auf dem Schwarzmarkt als die am weitesten verbreiteten psychoaktiven Pilze (2007:665f.).

Seit Anfang der 1980er wird auch von Pilzritualen in Europa berichtet. Hier handelt es sich meistens um Gruppen von 6-20 Leuten mit einer naturverbundenen Ideologie, welche sich auf einen „heidnisch“-christlich-buddhistisch-hinduistischen Synkretismus stützt. Die Kreisrituale finden oft im Freien oder in Tipis statt. Der am meisten benutzte Pilz bei diesen Ritualen ist, neben dem Psilocybe cubensis, der in Europa weit verbreitete Psilocybe semilanceata (Spitzkegeliger Kahlkopf) (2007:673ff).

Ein weiterer Gebrauch psilocybinhaltiger Pilze ist vor kurzem in Nepal entdeckt worden. Die Pilze der Art Psilocybe subcubensis und der Gattung Panaeolus werden dort vom Schamanen, im Gegensatz zu den Pilzzeremonien in Mexiko, meist ganz alleine eingenommen. Oft wird der Pilz vom Schamanen in einer Höhle eingenommen. Dort fragt er den Pilz um Rat, wie z.B. über neue Heilverfahren (2010:114).

Konsum von Magic Mushrooms

Carlos Castanedas Buch „Die Reisen des Don Juan“ hatte großen Anklang in der New Age-, und Esoterikszene, wurde aber auch heftig von Fachkollegen kritisiert.

In mexikanischen Ritualen werden die Pilze, frisch oder getrocknet, jeweils in Paaren eingenommen. Manchmal ist vor den Ritualen eine strenge Diät einzuhalten wie z.B. das Verbot von Geflügel, Schwein oder Gemüse. Auch mehrere Tage sexuelle Enthaltsamkeit, und das Verbot von Alkohol und Medikamenten kann zur Vorbereitung gehören (2007: 670). Carlos Castaneda behauptete, er habe die Pilze zusammen mit seinem Lehrmeister Don Juan Matus geraucht (Castaneda 1979:11f.). Auch in Thailand ist es üblich Psilocybe cubensis zu trocknen, zerkleinern und zu rauchen (2007:667). Die Pilzwirkstoffe gehen beim Rauchen jedoch größtenteils verloren (2009:107). Castanedas Aussagen sind zudem heftig umstritten (2007:670).

Aus Berichten über die Azteken ist bekannt, dass die Pilze zusammen mit Honig konsumiert wurden oder vermischt mit Kakao getrunken wurden (2007:669). In der westlichen Gesellschaft ist es auch üblich die Pilze in Butter zu sautieren und mit Toast oder Kartoffelchips zu essen (2007:667). In der Schweiz wird Pulver des Psilocybe semilanceata mit Getränken, wie Fruchtsäften oder Kakao gemischt und getrunken. Eine weitere Zubereitungsart ist es aus dem Pulver der Pilze und Schokolade kleine Plätzchen herzustellen (2007:674).

In Thailand werden frische Pilze ähnlich wie Champignons in Speisen verwendet. Eine andere in Thailand übliche Weise die Pilze zu konsumieren, ist es Kekse mit Cannabis und getrockneten Pilzen herzustellen (2007:667).

Da die Wirkstoffe der Pilze verschieden stark sind, ist es schwierig einheitliche Dosierungsangaben zu machen. Bei den Psilocybe cubensis gelten drei bis fünf Gramm Trockenmasse als wirksame Dosis (2007:667). Beim Psilocybe semilanceata wird eine Dosis von zwei bis drei Gramm getrockneten Pilzen empfohlen (2007:674). Der potenteste der psilocybinhaltigen Pilze, Psilocybe azurescens, kann bei einem Gramm Trockenmasse schon einen starken Trip auslösen (2007:665).

Wirkung von Magic Mushrooms

Die Pilzerfahrung ist sehr von Set, Setting und der Dosis abhängig. Ein niedrige Dosierung von etwa einem Gramm Psilocybe cubensis hat auf den Konsumenten fast keine bewusstseinsverändernde Wirkung, sondern wirkt meist nur heilend und tonisierend. Eine Dosis von einem bis zwei Gramm hat eine leicht psychoaktive und aphrodisierende Wirkung. Bei zwei bis fünf Gramm kann es zu einer stark veränderten Wahrnehmung kommen. Die Visionen können sehr schön aber auch sehr schrecklich sein.

Die psychoaktive Wirkung wird mit der von LSD verglichen. Der gravierende Unterschied ist lediglich die Wirkungsdauer. Der LSD-Rausch dauert bis zu 12 Stunden, bei Pilzen dauert die psychoaktive Wirkung etwa vier bis sechs Stunden an (2009:108). Im Rauschzustand kommt es oft zu Farbvisionen in kaleidoskopischen Bewegungen, welche von Gehörhalluzinationen begleitet werden (1987:148). Die vom Pilz ausgelösten Visionen sind meist schamanisch geprägt (2007:667). Oft wird der Pilztrip von unkontrolliertem Lachen begleitet, welches eine heilende Wirkung hat:

Das Lachen gehört essentiell zum Soundtrack der Zauberpilzwirkung. Und dieses Lachen ist heilsam und gesundheitsfördernd. Das befreiende Lachen versetzt den Körper in einen starken Rhythmus, der Geist und Materie harmonisiert. Für viele Indianer ist das Lachen der Ausdruck eines gesunden Menschen und eines heilen Bewusstseins (2009:109f.).

Azarius magic mushroom grow kits

Berichte über Erfahrungen mit psilocybinhaltigen Pilzen sind oft philosophisch, und in Metaphern geschrieben, wahrscheinlich weil man den Pilzrausch kaum mit einem Alkoholrausch beschreiben kann. Gordon Wasson schreibt, den Pilzrausch mit dem Alkoholrausch zu vergleichen, wäre vulgär und herabwürdigend, und dass man neue Wörter braucht um die Wirkung der Pilze zu beschreiben (1987:150).

Einige Künstler versuchen deswegen ihre Pilzvisionen in Gemälden oder Musikstücken festzuhalten.

Wirkstoffe von Magic Mushrooms

Die Pilze enthalten die  psychoaktiven Tryptamine Psilocin, Psilocybin, Baeocystin und Norbaeocystin. Psilocybin wird im Körper durch Hydrolyse der Phosphatgruppe zum aktiven Psilocin gespalten, welches als Partialagonist am 5-HT Rezeptor wirkt (HT1A, HT2A, HT2C). Psilocin ist also der eigentliche Hauptwirkstoff, Psilocybin das Prodrug. Die psychoaktive Wirkung von Baeocystin ist noch nicht umfangreich erforscht. Nach dem derzeitigen Erkenntnisstand ist davon auszugehen, dass Baeocystin eine leichte psychoaktive Wirkung aufweist.

Die in Psilocybe vorkommenden Tryptamine.

Die Wirkstoffgehalte und die Wirkstoffzusammensetzungen verschiedener Pilzsorten unterscheidet sich stark. Generell ist der Gehalt an Psilocybin am höchsten, gefolgt von Psilocin und Baeocystin. Folgende Tabelle gibt einen Überblick (Angaben beziehen sich auf Prozent vom Trockengewicht):

Art % Psilocybin % Psilocin % Baeocystin Quelle
P. azurescens 1,78 0,38 0,35 Stamets and Gartz (1995)
P. bohemica 1,34 0,11 0,02 Gartz and Muller (1989); Gartz (1994)
P. semilanceata 0,98 0,02 0,36 Gartz (1994)
P. baeocystis 0,85 0,59 0,10 Repke et al. (1977); Beug and Bigwood (1982)(b)
P. cyanescens 0,85 0,36 0,03 Stijve and Kuyper (1985); Repke et al. (1977)
P. tampanensis 0,68 0,32 n/a Gartz (1994)
P. cubensis 0,63 0,60 0,025 Gartz (1994); Stijve and de Meijer (1993)
P. weilii 0,61 0,27 0,05
P. hoogshagenii 0,60 0,10 n/a Heim and Hofmann (1958)
P. stuntzii 0,36 0,12 0,02 Beug and Bigwood (1982)(b); Repke et al. (1977)
P. cyanofibrillosa 0,21 0,04 n/a Stamets et al. (1980)
P. liniformans 0,16 n/a 0,005 Stijve and Kuyper

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Für die ausführlichen ethnologischen Hintergrundinformationen bedanken wir uns bei traumzeit.in, dem Blog für spannende Artikel rund um Ethnologie und Religionswissenschaften.

Quellen anzeigen

 
Castaneda, Carlos. 1979. Die Lehren des Don Juan: ein Yaqui-Weg des Wissens. Frankfurt: Fischer.
 
Estrada, Alvaro. 1980. Maria Sabina: Botin der heiligen Pilze. München: Trikont.
 
Hofmann, Albert und Richard Evans Schultes, Hg. 1987. Pflanzen der Götter: Die magischen Kräfte der Rausch- und Giftgewächse. Bern: Hallwag
 
Rätsch, Christian. 2007. Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen. München: AT-Verlag.
—. 2009. Meine Begegnungen mit den Schamanenpflanzen. München: AT-Verlag.
—. 2010. Pilze und Menschen. München: AT-Verlag.
 
Approximate Alkaloid Content of selected Psilocybe mushrooms. www.erowid.org (27. März 2009). Abgerufen am 07. Januar 2013.

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