Das Land der Palaung – Im Opiumdreieck von Myanmar

Unsere unerschrockene Außenkorrespondentin Eva war wieder in fernen Ländern unterwegs und hat fantastische Abenteuer weit ab von überlaufenen Touristenhochburgen bestritten. Wir möchten euch nicht vorenthalten was sie tief im legendären Opiumdreieck von Myanmar bei dem alten Volk der Palaung erlebt hat und wünschen euch viel Spaß mit dem spannenden Reisebericht.

Das Shan – Hochland liegt im nordöstlichen Teil Myanmars und bietet dem Asienreisenden eine willkommene Abwechslung: Frisches, manchmal beinahe kühles Klima. Besonders, wenn es einen, wie mich, am Anfang der Regenzeit dorthin verschlägt.

Einer der über 2000 Tempel von Bagan.

Einer der über 2000 Tempel von Bagan.

Nachdem ich bei 45°C in Bagan von Tempel zu Tempel geradelt war und die stickige Hitze Mandalays satt hatte, mache ich mich also dorthin auf. Zuerst geht es nach Pyin U Lwin, der ehemaligen Sommer-Residenz der britischen Garnisonen, von dort aus mit dem Zug über das berühmte Goteik Viadukt nach Hsipaw.

Das Goteik Viadukt ist die höchste Brücke in Myanmar und war zum Zeitpunkt ihrer Fertigstellung im Jahr 1900 die größte Eisenbahn-Bockbrücke der Welt.

Das Goteik Viadukt ist die höchste Brücke in Myanmar und war zum Zeitpunkt ihrer Fertigstellung im Jahr 1900 die größte Eisenbahn-Bockbrücke der Welt.

In Hsipaw angekommen traf ich Win, mit dem ich beschloss für die nächsten drei Tage ins Shan – Hochland zu den Palaung zu wandern. Am nächsten Tag machten Win und ich uns bereits früh auf den Weg um die frische Morgenluft zu umgehen. Schon nach wenigen Kilometern wurde das Gelände bergiger und die Luft kühler. Mit jedem Höhenmeter den wir hinter und ließen wurden die Reisfelder weniger und die Landschaft erinnerte mich bald an das bayerische Voralpenland. Mit wilden Mangobäumen statt Buchen und Bambus statt Nadelwald. Aber der Geruch von warmen Wiesen und die Geräuschkulisse aus glucksenden Bergbächen und Kuhglocken erinnerte mich immer wieder an meine Heimat.

Win war ein ausgezeichneter Guide, nicht nur dass er fließend Englisch und Japanisch sprach, was in vielen Teilen Myanmars nicht selbstverständlich ist, er kannte sich auch hervorragend in der Geschichte und Kultur der Shan und Palaung aus. Bei politischen Themen nahm er auch kein Blatt vor den Mund. Er selbst war ein Shan-Angehöriger und hatte sein Leben lang in den Bergen gearbeitet. Als junger Mann hatte er Opium über die chinesische Grenze geschmuggelt und später Reisende in die Berge begleitet, seit kurzem auch als lizensierter Guide. Trotz seinen 45 Jahren war er topfit und ich musste mich schwer anstrengen um mit ihm mitzuhalten. Mittags machten wir eine Pause, ließen die Sonne den Zenit überschreiten und tranken Tee. Bevor wir uns wieder auf den Weg machten kauften wir noch Gemüse, Reis und Öl für unseren Aufenthalt bei den Palaung.

Über viele Jahrzehnte war daher der Anbau und Verkauf von Schlafmohn zur Herstellung von Opium eine Ihrer Haupteinnahmequellen .

Die Palaung sind eine Minderheitengruppe, die in bergigen Gebieten Chinas und Myanmar lebt. Die meisten Palaung sind Buddhisten und Vegetarier. Sie leben größtenteils von der Landwirtschaft, wobei sie sich den Gegebenheiten des Hochlands angepasst haben. Mithilfe von Wasserbüffeln bewirtschaften sie die steilen und teilweise schwer zugänglichen Gebiete. Nicht jede Pflanze ist dafür geeignet und so beschränken sich die Palaung auf den Anbau von Reis, Mais und Tee sowie Gartenbau im kleinen Rahmen, was jedoch meistens nicht ausreicht um sich autark zu ernähren. Über viele Jahrzehnte war eine Ihrer Haupteinnahmequellen der Anbau und Verkauf von Schlafmohn zur Herstellung von Opium. Die Militärregierung duldete dies lange Zeit nicht nur, sondern förderte den Opiumschmuggel nach China sogar. Seit der politischen Öffnung des Landes und mit wachsender ökonomischer Abhängigkeit von China änderte sich dies jedoch und so bleibt den Palaung heutzutage nur noch Grüntee als Handelsgut.

Am frühen Abend erreichten wir dann das Dorf der Palaung. Es lag auf einer kleinen Hochebene inmitten von saftigen grünen Hängen, die zum Teeanbau genutzt wurden. Im Gegensatz zu anderen Teeanbaugebieten werden die Teepflanzen nicht als Monokultur angebaut sondern einfach in die bestehende Vegetation gepflanzt.

In den fruchtbaren Tälern von Myanmar wächst der frische Grüntee.

In den fruchtbaren Tälern von Myanmar wächst der frische Grüntee inmitten der bestehenden Vegetation.

Dadurch ist keine maschinelle Landwirtschaft möglich und die Teeblätter werden alle von Hand geerntet, sortiert und verarbeitet. Je nach Qualität und Alter der Blätter wird bestimmt, was aus dem Teeblatt wird. Feine junge Blattspitzen werden getrocknet und als Grüntee getrunken.

Die Frauen trocknen den frischen Grüntee.

Die Frauen trocknen den frischen Grüntee.

Die älteren dunkelgrünen Blätter werden als ganze Blätter geerntet, sauer eingelegt und als „pickled tealeaves“ verkauft. Sie sind eine Spezialität der Region. Am meisten überrascht hat mich jedoch, dass die Teeblätter auch frisch zur Zubereitung von Speisen verwendet werden.

Nachdem wir die Teeplantagen durchwandert hatten wurden wir gleich von einer Kinderschar umringt. Myanmar ist nur wenig touristisch erschlossen und zieht bis jetzt nur einige Kultur- oder Rucksackreisende an. Obwohl sich die Zahl der Besucher seit Öffnung des Landes exponentiell entwickelt hat sind Reisende in vielen Gegenden immer noch eine seltene Attraktion. Wir wurden im Gemeinschaftshaus empfangen, das auch unsere Schlafstätte für die nächsten zwei Nächte wurde. Wie alle Häuser des Dorfes stand es auf Stelzen, hatte Bambuswände und eine zentrale offene Feuerstelle zum Heizen und Kochen.

Eine Frau der Palaung bei der traditionellen Feuerstelle.

Eine Frau der Palaung bei der traditionellen Feuerstelle.

Unsere Gastgeberin war die unverheiratete Schwester des Dorfvorstehers. Sie war eine stets verschmitzt lächelnde Frau, die wie viele der älteren Palaung – Frauen noch die farbenfrohe traditionelle Kleidung trug. Nachdem wir die mitgebrachten Vorräte überreicht hatten bereitete sie ein Abendessen für uns zu.

Grünteesalat ist bei den Studenten äußerst beliebt – denn er macht wach und ist verträglicher als Kaffee.

Neben feinen Gerichten wie Omelett mit Baumpilzen und gewürzten Reis servierte sie uns auch köstlichen Teeblattsalat. Dazu werden die Teeblätter nur kurz blanchiert und dann mit gerösteten Erdnüssen und einem Dressing aus Erdnussöl, Chili und weiteren Gewürzen vermischt. Die Erdnüsse geben dem Ganzen etwas Knuspriges und die Chilis heizen sanft ein. Der Salat hat eine fein-bittere Note und schmeckt durch die Teeblätter unglaublich frisch. Dieser Teeblattsalat wuchs mir in meiner Zeit in Myanmar ziemlich ans Herz. Es gibt ihn in unzähligen von Variationen, die alle nicht nur unglaublich lecker sind sondern die einen mit etwas Verzögerung auf angenehme Art und Weise wach machen. Das machte den Salat in Myanmar auch weit über die Grenzen des Palaung Gebiets, vor allem bei Studenten, beliebt.

Am nächsten Tag halfen wir beim Bau eines neuen Hauses. Wenn bei den Palaung ein junges Paar heiraten möchte und ein eigenes Haus baut helfen alle Dorfmitglieder beim Bau mit. Sämtliche Häuser des Dorfes waren als Gemeinschaftswerk entstanden.

Das der Dorf Palaung in Myanmar. Die Palaung werden auch De'ang genannt.

Das Dorf der Palaung in Myanmar. Die Palaung werden auch De’ang genannt..

Ich durfte mich bei der Herstellung der Bambusmatten beteiligen, welche in diesem Klima gerne als Hauswand verwendet werden. Dazu werden Bambusstreifen in einem speziellen Muster ineinander verwoben und dann mit dem Hammer bearbeitet bis sie komplett platt sind. Da ich das Muster nicht kannte blieb für mich die Arbeit mit dem Hammer und am Abend war ich schwer erschöpft von der Arbeit des Tages.

Trotzdem war ich traurig am darauf folgenden Morgen schon wieder aufbrechen zu müssen. Die Wanderung ins Tal ging schnell. Schon bald hatten wir das kühle Bergklima hinter uns gelassen und wanderten durch die Nachmittagshitze. Da freute ich mich dann doch, bald wieder in der Zivilisation zu sein und die erste Dusche in drei Tagen zu nehmen.

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